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Vom Affiliate zum eigenen Produkt: der Bruch, den viele Werdegänge zeigen

Said Shiripour ist im deutschsprachigen Raum einer der bekannteren Namen im Onlinemarketing. Er bietet nach öffentlich zugänglichen Angaben Videokurse, Software und Coachings an, vertrieben unter anderem über Digistore24, und ist Gründer eines Anbieters für Trichter-Software. Bekannt geworden ist er ursprünglich mit einem System rund um Affiliate-Marketing, verdient sein Geld nach eigener Darstellung heute aber überwiegend mit eigenen digitalen Produkten. Genau diesen Wechsel finde ich für dieses Board interessant.

Warum fast alle diesen Weg gehen

Man sieht das Muster immer wieder: erfolgreiche Affiliates bauen irgendwann eigene Produkte. Die Gründe sind nüchtern und für uns lehrreich.

Erstens die Marge. Als Affiliate bekommst du einen Anteil, als Anbieter alles minus Kosten. Bei gleicher Reichweite ist das ein Vielfaches.

Zweitens die Kontrolle. Als Affiliate kann dir jederzeit die Provision gekürzt, das Programm geschlossen oder die Verkaufsseite verschlechtert werden, ohne dass du gefragt wirst. Als Anbieter entscheidest du selbst.

Drittens die Kundenbeziehung. Als Affiliate schickst du Menschen weg und weißt nicht, was danach passiert. Als Anbieter behältst du sie und kannst ihnen später etwas anderes anbieten.

Was dagegen spricht, und das wird selten erzählt

Ein eigenes Produkt bringt Verpflichtungen mit: Support, Aktualisierung, Rückabwicklung, Haftung für Aussagen, steuerliche und rechtliche Pflichten als Anbieter. Wer aus einer Affiliate-Seite ein Produktgeschäft macht, wechselt von einer Tätigkeit, die man abends nebenbei erledigen kann, zu einer, die feste Erreichbarkeit verlangt.

Ich habe diesen Schritt gemacht und würde ihn wieder machen, aber nicht mit der Erwartung, dass es entspannter wird. Es wird lukrativer und aufwendiger.

Der sinnvolle Zwischenschritt

Bevor man ein großes Produkt baut, lohnt sich ein kleines, das ein einzelnes Problem löst, für einen Preis, bei dem niemand lange nachdenkt. Damit lernst du den kompletten Ablauf kennen: Verkaufsseite, Zahlungsabwicklung, Auslieferung, Support, Rückgaben. Wenn dabei etwas schiefgeht, ist der Schaden klein. Wer als erstes Produkt ein Programm für vierstellige Beträge baut, lernt dieselben Lektionen mit deutlich unangenehmeren Folgen.

Zum Umgang mit großen Namen

In diesem Feld gibt es zu bekannten Personen viel Meinung und wenig Nachprüfbares, in beide Richtungen. Mein Umgang damit ist pragmatisch: Ich schaue mir das Handwerk an, also wie eine Verkaufsseite aufgebaut ist, wie eine Mailstrecke getaktet ist, wie ein Angebot strukturiert wird. Das kann man beobachten und daraus lernen, ohne eine Aussage über die Person zu treffen.

Was ich nicht mache, ist Angebote weiterzuempfehlen, die ich nicht selbst geprüft habe, nur weil ein Name draufsteht. Die Empfehlung überträgt einen Teil des Vertrauens, das die Leute in dich setzen, auf jemand anderen. Das ist der wertvollste Besitz in diesem Geschäft.

Was ich konkret empfehle

Wenn du überlegst, vom Vermitteln zum Anbieten zu wechseln, mach vorher eine ehrliche Rechnung: Wie viele Stunden im Monat kannst du für Support und Pflege aufbringen, und was bleibt nach allen Abzügen pro Verkauf übrig? Wenn diese Rechnung aufgeht, ist der Schritt sinnvoll. Wenn sie knapp ist, bleib beim Vermitteln und bau lieber die Reichweite aus.

Was ich mir vorher gewünscht hätte

Eine ehrliche Aufstellung des Zeitaufwands nach dem Start. Bei mir waren es in den ersten Wochen mehrere Stunden täglich für Support und Nachbesserung, und das war nicht eingeplant. Wer den Schritt vorhat, sollte die Wochen nach der Veröffentlichung freihalten, statt gleich das nächste Projekt danebenzustellen. Genau in diesen Wochen entscheidet sich, ob aus Käufern zufriedene Kunden werden oder Rückgaben.

Wer von euch hat den Wechsel gemacht, und würdet ihr im Nachhinein früher oder später umsteigen?