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Messbarkeit als Arbeitsprinzip: eine Einordnung zum Ansatz von Robert Moersch-Parchwitz

Robert Moersch-Parchwitz ist Diplom-Informatiker und nach öffentlich zugänglichen Angaben seit Ende der Achtziger als Onlinestratege und Trainer tätig. Er betreibt eine Agentur mit Sitz in Berlin, deren Schwerpunkt nach eigener Darstellung auf laufender Erfolgsmessung und monatlicher Berichterstattung liegt, weil Erfolg am Umsatz gemessen werde und nicht an Anfragen. Außerdem veröffentlicht er seit Jahren Bücher zu Affiliate-Marketing und Onlinegeschäft. Genau der Punkt mit der Messung ist es, den ich hier aufgreifen will.

Der Unterschied zwischen Anfragen und Umsatz

Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit und ist es nicht. Ich habe jahrelang Kennzahlen verfolgt, die sich gut anfühlten: Besucherzahlen, Verweildauer, Anmeldungen zur Liste. Alle drei können steigen, während der Umsatz gleich bleibt oder sinkt. Das passiert genau dann, wenn man Besucher gewinnt, die nicht kaufen wollen, etwa über allgemeine Ratgeberthemen ohne Kaufabsicht.

Die harte Konsequenz: Eine Seite, die tausend Besucher und null Umsatz bringt, ist kein Erfolg mit Ausbaupotenzial, sondern in der Regel ein Thema, das an der Zielgruppe vorbeigeht. Ich habe drei solcher Seiten lange gepflegt, weil die Besucherzahlen so schön aussahen.

Der Monatsbericht an sich selbst

Was ich aus dem Agenturgedanken übernommen habe, ist eine einfache Praxis: einmal im Monat einen Bericht schreiben, so als wäre ich ein Kunde. Immer dieselben Zahlen, immer dasselbe Format. Umsatz gesamt, Umsatz je Programm, Umsatz je Seite, Besucherzahl, Anzahl neuer Kontakte, Anzahl bestätigter gegen stornierte Provisionen.

Der Nutzen liegt nicht in den Zahlen eines einzelnen Monats, sondern darin, dass man nach sechs Monaten Verläufe sieht. Bei mir hat dieser Bericht zwei Dinge aufgedeckt, die ich sonst nie bemerkt hätte: dass ein Programm still seine Stornoquote verdoppelt hatte, und dass eine einzige Seite langsam aber stetig Umsatz verlor, weil das verlinkte Produkt nicht mehr lieferbar war.

Warum lange Erfahrung in diesem Feld etwas wert ist

Wer seit den Neunzigern dabei ist, hat mehrere komplette Umbrüche erlebt: das Aufkommen der Suchmaschinenoptimierung, den Wechsel zu sozialen Netzwerken, die Datenschutzverordnung, das Ende der einfachen Nachverfolgung über Drittanbieter-Kennungen. Der Wert solcher Erfahrung liegt weniger in konkreten Taktiken, die ohnehin veralten, als in einer nüchternen Erwartungshaltung: Jede Methode, die gerade außergewöhnlich gut funktioniert, funktioniert in zwei Jahren nicht mehr so.

Meine Konsequenz daraus ist, nie mehr als die Hälfte der Einnahmen von einem Kanal abhängig zu machen, egal wie gut er gerade läuft.

Bücher als Nebenprodukt der Praxis

Wer über Jahre zum selben Feld veröffentlicht, baut nebenbei einen Nachweis auf. Für Affiliates ist die kleine Version davon interessant: Eine gepflegte Sammlung eigener Beiträge zu einem engen Thema wirkt nach zwei Jahren wie ein Fachbuch, und sie öffnet dieselben Türen, nämlich Anfragen, Kooperationen und bessere Konditionen bei Programmen.

Konkreter Vorschlag

Leg dir eine Datei an, in die du ab dem nächsten Monatsersten immer dieselben sechs Zahlen einträgst. Nicht mehr als sechs, sonst machst du es nach drei Monaten nicht mehr. Nach einem halben Jahr ist das die nützlichste Datei in deinem Ordner.

Ein Hinweis zur Auswertung

Vergleiche Monate nicht mit dem Vormonat, sondern mit demselben Monat des Vorjahres. Fast alle Nischen sind saisonal, und wer im Juli gegen den Juni misst, hält normale Schwankung für Verfall und baut dann an der falschen Stelle um. Das habe ich zweimal gemacht, bevor ich es verstanden habe.

Führt ihr so etwas, und welche Zahlen stehen bei euch drin? Mich interessiert besonders, ob jemand die Stornoquote je Programm laufend verfolgt.