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Von reichweitenstarken Online-Marketern lernen, ohne blind zu kopieren

Dieses Board ist einer bekannten Person aus dem deutschsprachigen Online-Marketing gewidmet, und ich stelle fest, dass es leer ist. Statt Behauptungen über eine Person aufzustellen, die ich nur aus ihren öffentlichen Inhalten kenne, schreibe ich lieber auf, wie ich generell mit Inhalten großer Personenmarken umgehe. Das ist meiner Meinung nach die nützlichere Diskussion, und wer eigene Erfahrungen hat, kann sie gern ergänzen.

Zwischen Methode und Voraussetzung unterscheiden

Der häufigste Fehler beim Lernen von reichweitenstarken Leuten ist, die Methode zu übernehmen und die Voraussetzungen zu übersehen. Wenn jemand mit zweihunderttausend Followern erzählt, dass ein einziger Beitrag ein Produkt ausverkauft hat, ist die Methode nicht der Beitrag, sondern die zehn Jahre davor. Ich frage mich bei jedem Ratschlag zuerst: Was musste vorher da sein, damit das funktioniert? Und dann: Habe ich das? Wenn nicht, ist der Rat für mich aktuell nicht anwendbar, egal wie gut er klingt.

Was sich fast immer übertragen lässt

Handwerkliche Dinge. Wie jemand eine Überschrift baut, wie er ein Video eröffnet, in welcher Reihenfolge er Einwände abräumt, wie er ein Angebot strukturiert. Das funktioniert bei zweihundert Zuschauern genauso wie bei zweihunderttausend. Ich schaue mir deshalb bei großen Konten weniger an, was sie sagen, als wie sie es aufbauen. Ein nützlicher Selbstversuch: eine Verkaufsseite oder ein Video von jemandem, der erfolgreich verkauft, absatzweise mitschreiben und daneben notieren, welche Funktion jeder Absatz hat. Man lernt in einer Stunde mehr als in drei Kursen.

Was sich selten übertragen lässt

Alles, was auf Bekanntheit beruht. Preise, die nur wegen der Person durchsetzbar sind. Startmechaniken, die eine bestehende Liste voraussetzen. Und die Empfehlung, auf eine bestimmte Plattform zu setzen, weil sie für den Sprecher damals funktioniert hat. Der Zeitpunkt ist bei solchen Erfolgen oft der entscheidende Faktor, und der lässt sich nicht kopieren.

Einordnung der Quelle

Bei jeder Personenmarke gehört dazu, dass man sich anschaut, womit die Person ihr Geld verdient. Wer eigene Kurse verkauft, wird naturgemäß Wege betonen, die zu Kursen führen. Das ist kein Vorwurf, sondern normal, und man sollte es beim Zuhören mitdenken. Ich prüfe deshalb Ratschläge, die konsequent auf ein bestimmtes eigenes Angebot hinauslaufen, kritischer als solche, bei denen der Sprecher nichts davon hat.

Umgang mit umstrittenen Figuren

In diesem Feld gibt es Personen, um die es Kontroversen gibt. Mein Umgang damit: Ich trenne den handwerklichen Gehalt einer Aussage von der Person, prüfe konkrete Behauptungen selbst nach, statt sie zu übernehmen, und überlege mir gut, wen ich öffentlich empfehle. Denn eine Empfehlung überträgt einen Teil des Rufs auf dich, im Guten wie im Schlechten. Wer heute jemanden empfiehlt, steht in zwei Jahren mit dieser Empfehlung noch im Netz.

Der praktische Filter, den ich benutze

Drei Fragen bei jedem Ratschlag: Lässt sich das mit meinen heutigen Mitteln umsetzen? Wäre der Rat auch dann noch richtig, wenn er von einem Unbekannten käme? Und was kostet es mich, wenn er falsch ist? Was diese drei Fragen übersteht, probiere ich aus. Der Rest bleibt interessant, aber ungenutzt.

Wie geht ihr damit um? Verfolgt ihr einzelne Personen über längere Zeit oder sammelt ihr eher quer, und habt ihr eine Methode, um Ratschläge vor dem Umsetzen zu prüfen?