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Videokanäle ohne eigenes Gesicht: die nüchterne Rechnung hinter dem Modell

Eric Hüther ist im deutschsprachigen Raum bekannt für Kanäle, die ohne Auftritt vor der Kamera betrieben werden, und für Kurse zu diesem Modell. Nach eigenen Angaben hat er mehrere solcher Kanäle aufgebaut und in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren dreistellige Millionenzahlen an Aufrufen erreicht. Ich mache das Board mit einer nüchternen Betrachtung dieses Modells auf, denn es wird sowohl überschätzt als auch zu Unrecht abgetan.

Warum das Modell funktioniert

Der Engpass beim Videoaufbau ist für die meisten nicht die Idee, sondern die Hemmung, sich zu zeigen, und der Aufwand für Dreh und Schnitt. Ein Kanal, der mit Sprechertext, Archivmaterial oder Grafiken arbeitet, umgeht beides. Damit lässt sich produzieren, ohne dass jede Folge einen Drehtag braucht, und man kann mehrere Kanäle parallel betreiben.

Der zweite, wichtigere Punkt: Solche Kanäle sind nicht an eine Person gebunden. Man kann Arbeit abgeben und die Kanäle im Zweifel verkaufen. Bei einem persönlichen Kanal geht beides nicht.

Die Rechnung, die man vorher machen sollte

Einnahmen aus Werbeeinblendungen sind je nach Thema und Land sehr unterschiedlich, und sie sind pro Aufruf niedrig. Aus reinen Aufrufzahlen wird selten ein tragfähiges Einkommen, wenn nicht sehr große Mengen zusammenkommen. Deutlich interessanter ist die Kombination: Aufrufe erzeugen Reichweite, und die Empfehlungen in der Videobeschreibung erzeugen den eigentlichen Umsatz.

Deshalb würde ich bei der Themenwahl nicht danach gehen, was viele Aufrufe bringt, sondern danach, ob es dazu Produkte gibt, die man sinnvoll empfehlen kann. Ein Kanal über Kuriositäten sammelt Aufrufe und verkauft nichts. Ein Kanal über ein Alltagsproblem sammelt weniger Aufrufe und verkauft.

Was man rechtlich und regeltechnisch beachten muss

Drei Punkte, an denen solche Kanäle regelmäßig scheitern. Erstens Bild- und Musikrechte: Fremdmaterial ohne saubere Lizenz ist der schnellste Weg zu Sperrungen und Forderungen. Zweitens die Regeln der Plattform zu wiederverwendeten und massenhaft erzeugten Inhalten, die regelmäßig verschärft werden. Drittens die Kennzeichnung von Werbung, die auch dann gilt, wenn niemand im Bild zu sehen ist. Es reicht nicht, den Hinweis ans Ende der Beschreibung zu setzen.

Der Aufwand, der unterschätzt wird

Ohne Gesicht heißt nicht ohne Arbeit. Skript, Vertonung, Schnitt, Vorschaubild, Beschreibung, und das mehrmals pro Woche über Monate, bevor überhaupt etwas passiert. Wer mehrere Kanäle betreiben will, muss entweder auslagern oder sehr effizient arbeiten. Und ausgelagerte Produktion kostet Geld, bevor Einnahmen da sind.

Was ich für den Einstieg empfehlen würde

Ein Kanal, nicht drei. Ein Thema, zu dem es Produkte gibt. Zwanzig Videos, bevor man bewertet. Und von Anfang an eine eigene Kennung im Link, damit man später weiß, welches Video tatsächlich verkauft. Bei mir war es nie das mit den meisten Aufrufen.

Zur Einordnung von Erfolgszahlen

Aufrufzahlen und Umsatzangaben in diesem Feld sind Anbieterangaben und selten nachprüfbar. Das ist kein Vorwurf, sondern eine allgemeine Vorsicht: Wenn du solche Zahlen in eigenen Beiträgen zitierst, schreib dazu, woher sie stammen. Damit bleibt dein Text informativ und du bist auf der sicheren Seite.

Die Themenwahl entscheidet über die Haltbarkeit

Kanäle zu Tagesaktuellem sammeln schnell Aufrufe und sind nach einem halben Jahr wertlos, weil die alten Videos niemand mehr sucht. Kanäle zu Fragen, die Menschen dauerhaft haben, wachsen langsamer und tragen sich noch, wenn du monatelang nichts hochlädst. Für ein Modell, das auf Empfehlungen in der Beschreibung setzt, ist die zweite Variante deutlich sinnvoller, weil dein Bestand weiterarbeitet.

Betreibt hier jemand einen Kanal ohne eigenes Gesicht? Mich interessiert vor allem, wie lange es bis zu den ersten nennenswerten Einnahmen gedauert hat.