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Vom Videokanal zum Handel und zurück: Affiliate und eigener Shop im Vergleich

Hinter ChrisFil steht Christoph Filgertshofer aus München. Nach öffentlich zugänglichen Angaben betreibt er einen Videokanal zu Onlinehandel und Marketing, hat selbst mehrere Shops aufgebaut und arbeitet zusätzlich mit einem Kursangebot rund um eine bekannte Shop-Plattform. Ich nutze das Board für einen Vergleich, den sich viele hier irgendwann stellen: eigener Handel oder Vermittlung?

Die beiden Modelle in ehrlichen Worten

Beim eigenen Shop gehört dir der Kunde, die Marge und die Marke. Dir gehören aber auch das Warenrisiko, der Kundendienst, Retouren, Zahlungsausfälle, Steuerpflichten in mehreren Ländern und die Verantwortung für Produktsicherheit. Das ist ein Handelsgeschäft mit allem, was dazugehört.

Bei der Vermittlung hast du keine Ware, kein Lager, keinen Kundendienst und keine Haftung für das Produkt. Dafür bekommst du einen Anteil statt der ganzen Marge, du besitzt den Kunden nicht, und deine Grundlage kann sich jederzeit ändern, weil sie einem anderen gehört.

Beides sind vollwertige Geschäfte. Was oft verkauft wird, nämlich dass Vermittlung die entspannte Vorstufe zum eigenen Handel sei, halte ich für irreführend. Es sind unterschiedliche Berufe.

Was der Videokanal in beiden Fällen leistet

Der interessante Teil an solchen Werdegängen ist, dass der Kanal beides trägt. Wer über den Aufbau eines Shops berichtet, erreicht Leute, die selbst einen aufbauen wollen. Diese Zielgruppe braucht Software, Zahlungsanbieter, Hosting, Weiterbildung und Werkzeuge, also genau die Kategorien mit ordentlichen und häufig wiederkehrenden Provisionen.

Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Hebel: nicht zwischen Handel und Vermittlung wählen, sondern das eine aus dem anderen entstehen lassen. Wer selbst einen Shop betreibt, kann glaubwürdig über die Werkzeuge schreiben, weil er sie täglich benutzt.

Was ich dabei beachten würde

Erstens: Wenn du über deine eigene Praxis berichtest, berichte auch über das, was schiefgeht. Kanäle, auf denen alles funktioniert, wirken unglaubwürdig, und genau die Fehler sind das, wonach die Leute suchen.

Zweitens: Kennzeichne Provisionslinks in Videobeschreibungen sichtbar, nicht in Zeile vierzig. Bei Videos gehört der Hinweis zusätzlich ins Bild und ins Gesagte.

Drittens: Sei vorsichtig mit Umsatzzahlen aus dem eigenen Handel als Werbeargument. Umsatz ist nicht Gewinn, und wer mit Umsatzzahlen für ein Lernangebot wirbt, bewegt sich schnell in einem Bereich, in dem Werbeaussagen belegbar sein müssen.

Für die, die vor der Entscheidung stehen

Meine Empfehlung: Fang mit der Vermittlung an, weil du dabei das Wichtigste lernst, nämlich wie man Menschen erreicht und überzeugt. Das Warenrisiko kannst du dir später immer noch antun. Umgekehrt ist es schwieriger, denn ein Shop bindet dich vom ersten Tag an Abläufe, die Aufmerksamkeit brauchen, und du lernst dabei wenig über Reichweite.

Der praktische Test

Frag dich, ob du bereit bist, an einem Samstagabend eine Kundenbeschwerde zu bearbeiten. Wenn nein, ist Handel nichts für dich, und das ist völlig in Ordnung. Diese Frage klärt mehr als jede Rentabilitätsrechnung.

Was beim eigenen Handel rechtlich dazukommt

Damit niemand hineinstolpert, die wichtigsten Punkte in Kurzform: Als Händler brauchst du ein Impressum, eine Widerrufsbelehrung mit Muster, korrekte Preisangaben inklusive Steuern und Versandkosten, eine Grundpreisangabe wo nötig, und du haftest für die Produktsicherheit dessen, was du verkaufst. Bei Einfuhr aus Drittländern kommen Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Konformitätsanforderungen dazu. Das ist alles machbar, aber es ist eine andere Größenordnung an Pflichten als bei der reinen Vermittlung, und es gehört einmal sauber mit einer Steuerberatung und gegebenenfalls rechtlicher Beratung geklärt.

Der Zwischenweg

Es gibt eine Variante zwischen beidem: eigene Produkte, aber digital. Kein Lager, keine Retouren, keine Zollfragen, trotzdem volle Marge und eigene Kunden. Für viele hier ist das der sinnvollere zweite Schritt als der Einstieg in den Warenhandel.

Wer von euch macht beides parallel? Mich interessiert, ob sich das gegenseitig trägt oder ob am Ende eins von beidem liegen bleibt.