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Aus dem eigenen Bedarf ein Produkt machen: der Ausgangspunkt von Mario Wolosz

Mario Wolosz ist Gründer von Klick-Tipp. Nach öffentlich zugänglichen Angaben hat er 2009 mit der Entwicklung begonnen, weil er selbst kein E-Mail-Werkzeug fand, das auf die Bedürfnisse von Onlinemarketern zugeschnitten war, und kündigte 2010 seine Anstellung, um sich ganz darauf zu konzentrieren. Vorher hatte er Wirtschaftsingenieurwesen studiert und schon als Jugendlicher programmiert. Ich mache das Board damit auf, weil dieser Ausgangspunkt ein Muster zeigt, das für uns brauchbar ist.

Der eigene Bedarf als Produktquelle

Die meisten Produktideen entstehen aus der Frage, womit man Geld verdienen könnte. Die tragfähigen entstehen aus der Frage, was einen selbst täglich ärgert. Der Unterschied ist erheblich: Im ersten Fall musst du erst herausfinden, ob das Problem existiert. Im zweiten weißt du es, weil du selbst darunter leidest, und du kennst alle Umwege, die man bisher gehen muss.

Für Affiliates ist die abgeschwächte Version davon sofort umsetzbar. Du musst keine Software bauen. Aber jedes Mal, wenn du in deiner eigenen Arbeit einen umständlichen Ablauf hast und dir eine Tabelle, eine Vorlage oder eine Checkliste baust, hast du einen Produktkandidaten in der Hand. Ich habe drei meiner bestlaufenden kostenlosen Angebote genau so gefunden: Es waren Dateien, die ich für mich selbst gebaut hatte.

Warum Techniker in dieser Branche einen Vorteil haben

Wer selbst programmieren kann, muss nicht warten, bis jemand ein Werkzeug baut. Das ist ein realer Vorteil, aber er wird oft als Voraussetzung missverstanden. Man braucht kein Informatikstudium, um die entscheidende Fähigkeit zu haben, nämlich ein Problem so genau zu beschreiben, dass es lösbar wird. Diese Fähigkeit kann man üben, und sie hilft auch dann, wenn man am Ende jemanden beauftragt.

Der Punkt, an dem viele aufgeben

Zwischen der ersten Version und einem tragfähigen Produkt liegen bei solchen Werdegängen häufig mehrere Jahre. Das steht in keiner Werbebotschaft, gehört aber zum Bild. Wer heute anfängt und erwartet, dass sich innerhalb von sechs Monaten etwas trägt, misst sich an einer Geschichte, aus der die langen Jahre herausgeschnitten wurden.

Meine praktische Konsequenz: Ich plane bei allem Neuen mit einer Anlaufzeit, in der es nichts einbringt, und sorge dafür, dass in dieser Zeit etwas anderes läuft. Das ist unromantisch und der Grund, warum man überhaupt bis zu dem Punkt kommt, an dem es funktioniert.

Was ich aus der Produktentscheidung selbst mitnehme

Ein Werkzeug, das sich bewusst an eine enge Zielgruppe richtet, ist besser als eins, das alle bedienen will. Das gilt nicht nur für Software. Eine Nischenseite, die für eine klar umrissene Gruppe geschrieben ist, wird von genau dieser Gruppe gefunden und empfohlen. Eine, die alle ansprechen will, wird von niemandem geteilt.

Für die Praxis

Führ zwei Wochen lang eine Liste mit allem, was in deinem Arbeitsablauf hakt. Nicht bewerten, nur aufschreiben. Danach schau, was mehr als dreimal draufsteht. Das ist entweder etwas, das du automatisieren solltest, oder ein Produkt. Bei mir waren es beim ersten Durchgang zwei Automatisierungen und eine Vorlage, die ich seither an Leser weitergebe.

Ist bei euch schon mal aus einem eigenen Hilfsmittel ein Produkt geworden? Mich würde interessieren, ob ihr solche Sachen weitergebt oder für euch behaltet.