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Push-Nachrichten auf der eigenen Seite: hoher Rücklauf, kurze Halbwertszeit

Browser-Benachrichtigungen sind eins der Werkzeuge, über die man selten sachlich redet: Entweder werden sie als Wunderkanal verkauft oder als Belästigung abgetan. Ich nutze sie seit einer Weile auf zwei Seiten und schreibe hier auf, was realistisch dabei herauskommt.

Was das überhaupt ist

Besucher deiner Seite werden gefragt, ob sie Benachrichtigungen erhalten möchten. Wer zustimmt, bekommt später eine kurze Einblendung direkt im Betriebssystem, auch wenn er deine Seite gerade gar nicht offen hat. Der Reiz: Du brauchst keine E-Mail-Adresse, die Hürde ist ein einziger Klick, und die Nachricht wird tatsächlich gesehen.

Die ehrlichen Zahlen

Zwei Dinge, die man vorher wissen sollte. Erstens: Die Zustimmungsrate ist deutlich niedriger, als die Anbieter versprechen, besonders wenn du sofort beim Seitenaufruf fragst. Was bei mir geholfen hat, ist zeitversetzt zu fragen, also erst nachdem jemand ein Stück gescrollt oder eine zweite Seite geöffnet hat, und mit einer eigenen Vorabfrage zu erklären, wofür er die Benachrichtigungen bekommt. Wer direkt die Systemabfrage auslöst und ein Nein kassiert, kann nicht erneut fragen. Diese Ablehnung ist dauerhaft.

Zweitens: Die Liste veraltet schnell. Leute wechseln Geräte, löschen Browserdaten oder schalten es ab. Anders als bei einer E-Mail-Adresse hast du keine Möglichkeit, den Kontakt anders zu erreichen. Ich rechne mit einem erheblichen jährlichen Schwund und behandle den Kanal entsprechend als Ergänzung, nicht als Grundlage.

Wo es bei mir funktioniert

Am besten bei zeitkritischen Dingen: eine befristete Aktion, ein neuer Testbericht zu einem gerade erschienenen Produkt, eine Preisänderung. Also überall dort, wo es einen echten Grund gibt, jemanden jetzt zu stören. Schlecht funktioniert es bei allem, was auch morgen noch gilt. Da nervt es nur und kostet dich Abmeldungen.

Rechtliches, und das ist hier kein Detail

Die Einwilligung im Browser ist nicht automatisch eine wirksame Einwilligung in Werbung. Wer über diesen Kanal Angebote schickt, sollte das transparent machen, bevor er die Erlaubnis abfragt, und die Einwilligung dokumentieren. Dazu gehört, dass in der Datenschutzerklärung steht, welcher Dienstleister dahintersteht und welche Daten dabei verarbeitet werden, denn die meisten Lösungen laufen über einen externen Anbieter. Und die Abmeldung muss einfach möglich sein, idealerweise beschreibst du sie selbst auf einer Hilfeseite, weil der Weg im Browser für viele nicht auffindbar ist.

Handwerkliches

Halte den Text kurz, weil je nach System nach wenigen Wörtern abgeschnitten wird. Nimm ein erkennbares Symbol, sonst weiß niemand, von wem die Einblendung kommt. Und verlink direkt auf die relevante Seite, nicht auf die Startseite. Wer draufklickt und dann suchen muss, klickt beim nächsten Mal nicht mehr.

Die Frequenz entscheidet über alles

Mein Richtwert liegt bei ein bis zwei Nachrichten pro Woche, und das ist eher die Obergrenze. Ich habe einmal in einer Aktionswoche täglich gesendet und danach einen deutlichen Einbruch bei den Klickraten gesehen, der sich über Monate nicht erholt hat. Die Leute schalten es ab, und zurückholen kannst du sie nicht.

Mein Fazit

Ein brauchbarer Zusatzkanal für Seiten mit wiederkehrendem Publikum, kein Ersatz für eine E-Mail-Liste. Wenn du dich zwischen beidem entscheiden musst, bau zuerst die Liste, weil dir dort die Kontakte tatsächlich gehören.

Setzt jemand das produktiv ein? Mich interessiert vor allem, welche Zustimmungsrate ihr erreicht und ob die zeitversetzte Abfrage bei euch auch so viel ausmacht.