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Infrastruktur statt Infoprodukt: warum die Werkzeugbauer in dieser Branche gewinnen

Sven Platte ist Mitgründer und Geschäftsführer von Digistore24. Nach öffentlich zugänglichen Angaben ist er ausgebildeter Zahnmediziner, war zuvor selbst als Infomarketer erfolgreich und hat die Plattform 2011 aus dem eigenen Bedarf heraus entwickelt, weil eine durchgängige Lösung für Zahlung, Abrechnung, Auslieferung und Partnerverwaltung fehlte. Ich mache das Board mit einer Beobachtung auf, die daraus folgt.

Wer die Schaufeln verkauft

In jedem Goldrausch verdienen die zuverlässig, die die Ausrüstung liefern. In unserer Branche ist es genauso: Die Plattformen, Werkzeuge und Zahlungsanbieter verdienen an jedem Verkauf, unabhängig davon, ob das jeweilige Produkt gut ist oder ob der Verkäufer nächstes Jahr noch da ist.

Das ist keine Kritik, sondern eine strategische Beobachtung mit einer praktischen Folge für uns: Werkzeuge und Infrastruktur sind aus Affiliate-Sicht die stabilere Kategorie. Ein Kurs verkauft sich in Wellen, ein Werkzeug im Abo zahlt jeden Monat, solange der Kunde arbeitet. Und Werkzeuge veralten langsamer als Kursinhalte.

Der Werdegang als Muster

Vom Anwender zum Werkzeugbauer, das sieht man in diesem Feld immer wieder. Der Grund ist einleuchtend: Wer ein Problem jeden Tag selbst hat, kann die Anforderungen präzise beschreiben, und genau daran scheitern die meisten Softwareprojekte.

Für uns lässt sich das im Kleinen übertragen. Du musst keine Plattform bauen. Aber jedes Mal, wenn du dir für deine eigene Arbeit eine Tabelle, eine Vorlage oder eine Checkliste erstellst, hast du einen Kandidaten in der Hand, den andere auch brauchen könnten. Meine meistgenutzten kostenlosen Angebote sind alle so entstanden.

Was der Quereinstieg zeigt

Der Weg aus einem völlig anderen Beruf in die Selbstständigkeit ist in dieser Branche eher die Regel als die Ausnahme. Das sollte allen Mut machen, die glauben, sie hätten den falschen Hintergrund. Was tatsächlich zählt, ist die Bereitschaft, ein Problem so lange anzuschauen, bis man es versteht. Fachwissen aus einem anderen Feld ist dabei kein Ballast, sondern ein Zugang zu Zielgruppen, die andere nicht verstehen.

Die unbequeme Seite

Zu solchen Werdegängen gehört in der Regel eine Phase, in der alles auf eine Karte gesetzt wurde und es hätte schiefgehen können. Das wird im Rückblick als mutige Entscheidung erzählt und war zum Zeitpunkt der Entscheidung ein Risiko mit ungewissem Ausgang. Wer daraus die Lehre zieht, man müsse alles riskieren, hat die Statistik gegen sich, weil man von den Fällen, die schiefgegangen sind, nie hört.

Für die Praxis: Abhängigkeit von Plattformen

Wenn ein großer Teil deiner Einnahmen über eine einzelne Plattform läuft, hast du ein Risiko, das du im Blick behalten solltest. Nicht, weil ein bestimmter Anbieter unzuverlässig wäre, sondern weil jede Plattform Regeln ändern, Konten sperren oder Konditionen anpassen kann. Meine Vorsorge ist unspektakulär: Kontakte gehören in meine eigene Liste, Umsätze verteilen sich auf mehrere Plattformen, und einmal im Monat sichere ich meine Umsatzübersichten.

Ein konkreter Gedanke zum Mitnehmen

Schau dir an, welche Werkzeuge du selbst täglich benutzt und bezahlst. Zu genau diesen kannst du glaubwürdig schreiben, weil du sie wirklich kennst. Das ist der einfachste Einstieg in die Werkzeugnische und deutlich tragfähiger als der Versuch, über etwas zu schreiben, das man nur aus Vergleichsseiten kennt.

Wie hoch ist bei euch der Anteil an Einnahmen, der über eine einzige Plattform läuft? Und habt ihr eine Ausweichlösung, falls dort etwas passiert?