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Warum Veranstalter von Branchentreffen einen Vorteil haben, den man kopieren kann

Heiko Häusler ist seit 2005 selbstständig, gilt als einer der länger aktiven deutschsprachigen Internetmarketer und ist nach öffentlichen Angaben Gründer und Veranstalter des Internet Marketing Kongress, der seit 2010 jährlich stattfindet. Dazu kommen eine Plattform sowie ein Branchenverbund, den er 2023 gegründet hat. Mich interessiert an diesem Board weniger die Person als eine Struktur, die daran gut sichtbar wird.

Wer die Bühne stellt, steht in der Mitte

Eine Veranstaltung zu organisieren ist harte, undankbare Arbeit und bringt einen Vorteil mit sich, der schwer zu überschätzen ist: Man kennt alle. Wer eine Bühne stellt, redet mit jedem Anbieter der Branche, sieht wer wie verkauft, und wird für Kooperationen automatisch mitgedacht. Das ist ein Netzwerkeffekt, der über Jahre wächst und den man mit Werbebudget nicht kaufen kann.

Die kleine Version, die jeder bauen kann

Man muss keinen Kongress veranstalten. Die Grundmechanik funktioniert auch im Kleinen, und ich habe sie selbst ausprobiert. Konkrete Varianten:

Eine Interviewreihe. Du fragst Leute aus deiner Nische nach einem Gespräch von dreißig Minuten. Fast alle sagen zu, weil sie Sichtbarkeit bekommen, ohne etwas zu bezahlen. Du bekommst Inhalte, Kontakte und mit der Zeit einen Ruf als jemand, der die Branche kennt.

Eine Übersicht. Eine gepflegte Liste aller Anbieter, Werkzeuge oder Programme in deiner Nische, mit ehrlicher Einordnung. Das ist Fleißarbeit und wird zu einer Anlaufstelle, auf die andere verlinken.

Eine kleine wiederkehrende Runde. Ein monatlicher Videocall mit zehn Leuten aus deinem Feld ist kein Kongress und erzeugt dieselbe Wirkung im Kleinen.

Bei mir hat die Interviewreihe am schnellsten gewirkt. Nach dem sechsten Gespräch kamen die ersten Anfragen von allein, weil die Gäste untereinander darüber gesprochen haben.

Was das für Affiliates konkret bringt

Zwei Dinge. Erstens bessere Konditionen: Wer als jemand wahrgenommen wird, der die Branche vernetzt, bekommt bei Anbietern andere Gespräche als jemand, der ein Standardformular ausfüllt. Zweitens früherer Zugang: Du erfährst von neuen Produkten, bevor sie öffentlich sind, und das ist der Zeitpunkt, an dem man mit Inhalten dazu noch vorn steht.

Die Kehrseite

Wer die Bühne stellt, ist auch verantwortlich für das, was darauf passiert. Wenn du jemanden interviewst oder in deine Übersicht aufnimmst, übertragen deine Leser einen Teil ihres Vertrauens auf diese Person. Ich habe deshalb eine einfache Regel: Ich frage niemanden an, dessen Angebote ich nicht wenigstens grob geprüft habe. Und wenn mir im Gespräch etwas auffällt, das ich nicht vertreten kann, veröffentliche ich es nicht.

Aufwand ehrlich einschätzen

Eine Interviewreihe kostet pro Folge etwa drei Stunden inklusive Vorbereitung, Aufnahme und Nachbereitung. Das ist deutlich mehr als ein Beitrag zu schreiben, und der Ertrag kommt nicht sofort, sondern über die Kontakte. Wer damit kurzfristig Umsatz machen will, wird enttäuscht. Wer damit langfristig eine Stellung in seiner Nische aufbauen will, hat kaum ein wirksameres Mittel.

Ein praktischer Startpunkt

Schreib fünf Leute aus deiner Nische an, die etwa auf deinem Niveau oder leicht darüber sind. Nicht die Größten, die antworten selten. Frag nach dreißig Minuten zu einem konkreten Thema, nicht nach einem allgemeinen Gespräch. Die Zusagequote ist deutlich höher, als die meisten erwarten.

Veranstaltet hier jemand etwas Eigenes, und sei es klein? Mich interessiert, was ihr an Rückläufen bekommt, wenn ihr Leute für ein Gespräch anfragt.